Ablauf, Vorbereitung und was Patient:innen in Deutschland wissen sollten
Wenn Sie oder eine nahestehende Person eine Elektrokonvulsionstherapie (EKT) in Erwägung ziehen, ist es völlig verständlich, sich zu fragen, wie eine solche Behandlung konkret abläuft. EKT wird in Deutschland vor allem bei schweren, therapieresistenten Depressionen eingesetzt und findet ausschließlich unter streng kontrollierten medizinischen Bedingungen statt. Ein klares Verständnis des Ablaufs kann helfen, Unsicherheiten abzubauen und informierte Entscheidungen zu treffen.
Schritt für Schritt: Der Ablauf einer EKT-Behandlung
1. Ankunft in der Klinik und Vorbereitung
Die EKT wird in Deutschland in der Regel stationär oder teilstationär in einem Krankenhaus mit psychiatrischer Fachabteilung durchgeführt. Vor der ersten Sitzung erfolgen ausführliche ärztliche Aufklärungsgespräche, Untersuchungen (z. B. EKG, Bluttests) sowie Ihre schriftliche Einwilligung.
Am Behandlungstag werden Sie vom medizinischen Team empfangen, das üblicherweise aus einer Fachärztin oder einem Facharzt für Psychiatrie, einer Anästhesistin oder einem Anästhesisten sowie Pflegepersonal besteht.
2. Vollnarkose
Vor Beginn der eigentlichen Behandlung erhalten Sie eine kurz wirksame Vollnarkose. Sie schlafen während der gesamten EKT und nehmen den Eingriff nicht bewusst wahr. Schmerzen werden dabei nicht empfunden.
3. Gabe eines Muskelrelaxans
Zusätzlich wird ein Muskelrelaxans verabreicht. Dieses reduziert die Muskelaktivität während des ausgelösten Krampfanfalls und schützt so vor körperlichen Verletzungen. Äußerlich sind in der Regel nur minimale Bewegungen zu beobachten.
4. Platzierung der Elektroden
Anschließend werden Elektroden auf der Kopfhaut angebracht. Je nach individueller Situation können diese beidseitig (bilateral) oder einseitig (unilateral) positioniert werden.
In Deutschland wird häufig die einseitige Platzierung bevorzugt, da sie mit einem geringeren Risiko für kognitive Nebenwirkungen, insbesondere Gedächtnisbeeinträchtigungen, verbunden sein kann.
5. Auslösen des kontrollierten Krampfanfalls
Über die Elektroden wird ein kurzer, exakt dosierter elektrischer Impuls verabreicht. Dieser löst einen kontrollierten Krampfanfall im Gehirn aus, der in der Regel weniger als eine Minute dauert. Die elektrische Stimulation selbst dauert nur wenige Sekunden.
Warum dieser Krampfanfall bei manchen Menschen depressive Symptome lindert, ist noch nicht vollständig geklärt. Man geht jedoch davon aus, dass neurobiologische Prozesse, etwa Veränderungen in der Signalübertragung und Neuroplastizität, eine Rolle spielen.
6. Aufwachphase und Überwachung
Nach der Behandlung wachen Sie in einem Aufwach- oder Ruheraum auf. Eine kurzfristige Desorientierung oder Benommenheit ist nicht ungewöhnlich und klingt meist rasch ab. Das medizinische Personal überwacht Sie, bis Sie stabil sind.
7. Zeit nach der Behandlung
Die meisten Patient:innen können nach einigen Stunden wieder auf die Station zurückkehren. Eine einzelne EKT-Sitzung reicht in der Regel nicht aus:
Üblich sind 6 bis 12 Behandlungen, verteilt über mehrere Wochen. Die genaue Anzahl und Frequenz wird individuell festgelegt.
EKT in Deutschland: Nutzen und Einordnung
Die Elektrokonvulsionstherapie gilt hierzulande als wirksame Option bei schweren Depressionen, insbesondere wenn andere Behandlungsformen wie Psychotherapie oder Medikamente nicht ausreichend geholfen haben. Gleichzeitig ist sie ein intensiver medizinischer Eingriff, der sorgfältig abgewogen werden muss.
Gibt es Alternativen zur EKT?
Neben der EKT gibt es heute weitere Formen der nicht-invasiven Hirnstimulation, die je nach Schweregrad der Depression in Betracht gezogen werden können. Eine davon ist die transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS).
tDCS arbeitet mit sehr schwachem Gleichstrom, der über Elektroden auf der Kopfhaut gezielt bestimmte Hirnareale stimuliert. Im Unterschied zur EKT ist keine Narkose notwendig, es wird kein Krampfanfall ausgelöst, und die Anwendung erfolgt bei einigen Therapieformen auch begleitend zu Hause unter ärztlicher Anleitung.
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