Die Elektrokrampftherapie (EKT) gilt in Deutschland als eine der wirksamsten Behandlungsoptionen bei schweren und therapieresistenten Depressionen. Gleichzeitig ist sie mit vielen Vorurteilen verbunden und wird oft erst dann in Betracht gezogen, wenn andere Therapien keinen ausreichenden Erfolg gezeigt haben.
Doch wie wirksam ist EKT tatsächlich – und für wen kommt sie infrage?
Was ist die Elektrokrampftherapie (EKT)?
Die Elektrokrampftherapie ist ein medizinisches Verfahren, bei dem unter Vollnarkose und Muskelrelaxation gezielt elektrische Impulse über Elektroden am Kopf verabreicht werden. Diese lösen einen kurzen, kontrollierten epileptischen Anfall aus, der bestimmte neurobiologische Prozesse im Gehirn beeinflusst.
In Deutschland wird EKT ausschließlich in spezialisierten Kliniken durchgeführt und unterliegt klaren medizinischen Leitlinien, unter anderem der S3-Leitlinie Unipolare Depression.
Wie wirksam ist EKT bei Depressionen?
Die Wirksamkeit der EKT ist gut untersucht. In einer größeren wissenschaftlichen Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2012 mit 1.106 Patient:innen zeigte sich:
- 51 % der Patient:innen mit Depression
- 53 % der Patient:innen mit bipolarer Störung
erreichten nach einer EKT-Behandlung eine vollständige Remission.
Andere Studien berichten sogar von Remissionsraten von bis zu 75 %, insbesondere bei schweren depressiven Episoden. Damit zählt die EKT zu den effektivsten bekannten Behandlungsverfahren bei Depressionen – vor allem dann, wenn Medikamente und Psychotherapie nicht ausreichend wirken.
Wann wird EKT in Deutschland empfohlen?
In der klinischen Praxis wird EKT in Deutschland vor allem in folgenden Situationen eingesetzt:
- bei schweren depressiven Episoden
- bei therapieresistenter Depression, wenn mehrere Antidepressiva und Psychotherapie keinen Erfolg gebracht haben
- bei akuter Suizidalität, wenn eine schnelle Symptomlinderung notwendig ist
- bei psychotischer Depression
- bei bestimmten Formen der bipolaren Störung
Die Entscheidung für eine EKT erfolgt immer individuell, nach sorgfältiger ärztlicher Abwägung und ausführlicher Aufklärung der Patient:innen.
Wie schnell wirkt die Elektrokrampftherapie?
Ein wesentlicher Vorteil der EKT ist ihre schnelle Wirkung. Während Antidepressiva oft mehrere Wochen benötigen, berichten viele Patient:innen über eine deutliche Besserung innerhalb weniger Tage bis etwa einer Woche nach Beginn der Behandlung.
Gerade bei lebensbedrohlichen Verläufen kann diese schnelle Wirksamkeit entscheidend sein.
Mögliche Nebenwirkungen und Einschränkungen
Trotz ihrer Wirksamkeit ist die EKT kein niedrigschwelliger Eingriff. Zu den häufig genannten Nebenwirkungen gehören:
- vorübergehende Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen
- Kopfschmerzen oder Muskelbeschwerden nach der Behandlung
- der organisatorische Aufwand durch stationäre oder teilstationäre Durchführung
Aus diesen Gründen wird EKT meist erst dann eingesetzt, wenn andere Behandlungsformen nicht ausreichend geholfen haben.
Gibt es wirksame Alternativen zur EKT?
In den letzten Jahren haben sich nicht-invasive Hirnstimulationsverfahren weiterentwickelt, darunter die transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS). Sie verfolgt einen anderen Ansatz als die EKT, zielt jedoch ebenfalls darauf ab, neuronale Aktivität gezielt zu beeinflussen.
Was ist tDCS?
tDCS ist ein nicht-invasives Verfahren, bei dem ein schwacher, konstanter Gleichstrom über Elektroden auf der Kopfhaut appliziert wird. Anders als bei der EKT:
- ist keine Narkose erforderlich
- treten keine Krampfanfälle auf
- kann die Anwendung bei entsprechender Anleitung auch zu Hause erfolgen
tDCS wird zunehmend als ergänzende oder alternative Behandlungsoption bei Depressionen erforscht, insbesondere bei Patient:innen, die eine weniger invasive Therapie bevorzugen.
Wissenschaftliche Evidenz für tDCS bei Depressionen
Auch für tDCS liegt mittlerweile klinische Evidenz vor. In klinischen Studien zur depressionsspezifischen Anwendung zeigte sich eine Remissionsrate von 57,5 %.
Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass tDCS für viele Menschen mit Depressionen eine wirksame, gut verträgliche Behandlungsoption sein kann – insbesondere bei leichter bis mittelschwerer Depression oder als Ergänzung zu anderen Therapieformen.
Das Flow FL-100 Headset: tDCS für zu Hause
Für Menschen, die sich für tDCS als Alternative oder Ergänzung interessieren, wurde das Flow FL-100 Headset entwickelt. Es kombiniert:
- gezielte tDCS-Stimulation
- ein strukturiertes Therapieprogramm
- begleitende App-basierte Unterstützung
Das Flow-System ist darauf ausgelegt, Depressionen nicht-medikamentös zu adressieren und dabei den Alltag der Nutzer:innen zu berücksichtigen. Die Anwendung erfolgt nach einem klaren Protokoll und orientiert sich an den Erkenntnissen aus klinischer Forschung.
Fazit: Welche Behandlung ist die richtige?
Die Elektrokrampftherapie bleibt eine hochwirksame Behandlungsoption bei schweren und therapieresistenten Depressionen, insbesondere wenn eine schnelle Wirkung notwendig ist. Gleichzeitig zeigen moderne Ansätze wie tDCS, dass es heute auch weniger invasive Alternativen gibt, die für viele Betroffene infrage kommen können.
Welche Therapie geeignet ist, hängt immer von der individuellen Situation, dem Schweregrad der Depression und der ärztlichen Einschätzung ab.