Die Elektrokonvulsionstherapie (EKT) ist eine etablierte medizinische Behandlung, die vor allem bei schweren, therapieresistenten Depressionen eingesetzt wird. Für einige Menschen kann sie eine wirksame Option darstellen, insbesondere dann, wenn andere Behandlungsformen keine ausreichende Wirkung gezeigt haben.
Gleichzeitig ist die EKT mit möglichen Nebenwirkungen verbunden. Wer eine EKT-Behandlung in Erwägung zieht, sollte gut informiert sein, um Nutzen und Risiken sorgfältig abwägen zu können.
Was ist eine Elektrokonvulsionstherapie?
Bei der EKT werden unter Vollnarkose kontrollierte elektrische Impulse über Elektroden am Kopf abgegeben, um einen kurzen epileptischen Anfall auszulösen. Ziel ist es, bestimmte neurobiologische Prozesse im Gehirn zu beeinflussen, die mit Depressionen in Verbindung stehen können.
Die Behandlung wird in der Regel mehrmals über mehrere Wochen hinweg durchgeführt und erfolgt unter ärztlicher Aufsicht in spezialisierten Kliniken.
Kurzfristige Nebenwirkungen der EKT
Unmittelbar nach einer EKT-Sitzung können verschiedene kurzfristige Nebenwirkungen auftreten. Diese sind meist vorübergehend und klingen innerhalb von Stunden oder Tagen ab.
Häufig berichtete kurzfristige Nebenwirkungen sind:
- Verwirrtheit oder Desorientierung direkt nach dem Aufwachen
- Kopfschmerzen
- Übelkeit
- Muskelkater oder allgemeine Müdigkeit
Die Intensität dieser Beschwerden variiert von Person zu Person und hängt unter anderem von der individuellen Reaktion auf die Narkose sowie von der Behandlungsform ab.
Gedächtnisverlust als zentrale Nebenwirkung
Der Gedächtnisverlust gilt als die bekannteste und für viele Betroffene belastendste Nebenwirkung der Elektrokonvulsionstherapie.
Dabei kann es zu zwei Formen von Gedächtnisproblemen kommen:
- Anterograde Gedächtnisstörungen: Schwierigkeiten, neue Informationen nach der Behandlung zu speichern
- Retrograde Gedächtnisstörungen: Verlust von Erinnerungen an Ereignisse, die vor der EKT stattgefunden haben
Besonders betroffen sind häufig autobiografische Erinnerungen, etwa an persönliche Ereignisse oder Lebensabschnitte. Viele Menschen berichten, dass sich das Gedächtnis mit der Zeit teilweise oder vollständig erholt. In einigen Fällen können jedoch Erinnerungslücken bestehen bleiben.
Wie stark der Gedächtnisverlust ausfällt, ist individuell unterschiedlich und kann unter anderem von folgenden Faktoren abhängen:
- Anzahl der EKT-Sitzungen
- Platzierung der Elektroden (einseitig oder beidseitig)
- Individuelle Vulnerabilität
Weitere mögliche Risiken und Belastungen
Neben Gedächtnisproblemen können weitere Aspekte als belastend empfunden werden:
- Die Notwendigkeit wiederholter Narkosen
- Der organisatorische Aufwand durch Klinikaufenthalte
- Emotionale Belastung oder Angst vor der Behandlung
Aus diesen Gründen ist eine umfassende ärztliche Aufklärung essenziell, bevor eine Entscheidung für oder gegen eine EKT getroffen wird.
Strategien zum Umgang mit Gedächtnisproblemen
Wenn Sie sich auf eine EKT-Behandlung vorbereiten oder diese bereits erhalten haben, können folgende Maßnahmen unterstützend wirken:
- Besprechen Sie mit Ihrem Behandlungsteam die Möglichkeit einer einseitigen Elektrodenplatzierung
- Führen Sie ein Tagebuch oder nutzen Sie digitale Notizen, um wichtige Informationen festzuhalten
- Bitten Sie Angehörige um Unterstützung bei der Organisation des Alltags
- Geben Sie sich ausreichend Zeit für Erholung zwischen den Sitzungen
Ein offener Austausch mit Ärztinnen und Ärzten hilft dabei, individuelle Risiken besser einzuschätzen und die Behandlung entsprechend anzupassen.
Gibt es Alternativen zur EKT?
Nicht alle Menschen mit Depressionen möchten oder können sich einer Elektrokonvulsionstherapie unterziehen. In den letzten Jahren haben sich daher auch nicht-invasive Hirnstimulationsverfahren als mögliche ergänzende oder alternative Optionen etabliert.
tDCS als nicht-invasive Behandlungsoption
Die transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS) ist eine sanfte Form der Hirnstimulation, bei der schwache elektrische Ströme über Elektroden auf der Kopfhaut angewendet werden. Im Gegensatz zur EKT ist tDCS:
- nicht invasiv
- ohne Narkose
- im Alltag anwendbar
- mit einem deutlich geringeren Nebenwirkungsprofil verbunden
tDCS wird unter anderem bei Depressionen erforscht und eingesetzt, insbesondere als begleitende Maßnahme zu anderen Therapieformen. Gedächtnisverlust gehört nicht zu den typischen Nebenwirkungen.
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